Fast zu gut, um wahr zu sein

Autor: | Gepostet in Evangelium, geistliche Reise 9 Kommentare

Ich hatte als Kind öfter einen Traum, der ging etwa so:

Ich ging auf einem Bürgersteig entlang und entdeckte auf dem Boden ein 5 Mark-Stück (yep, ich bin Jahrgang 71). Ich hob es auf und wenig später sah ich noch eine Münze. Und dann noch eine und noch eine. Überall fand ich Münzen, unterschiedlicher Größe, aber das war mir egal: Ich war auf einmal reich! Das ging eine Weile so weiter, bis mir im Traum ein Gedanke kam: “Das kann doch eigentlich gar nicht wahr sein, ich träume doch nicht etwa?” Das war leider dann der Anfang vom Ende, denn einige Zeit später bin ich meist aufgewacht. Ohne jetzt den Traum deuten zu wollen, es geht mir mit dem Bild einfach darum, dass ich am Ende des Traums eigentlich immer nur einen Wunsch hatte: “Lass dies kein Traum, sondern Wirklichkeit sein!”

Und ein bisschen so geht es mir aktuell: Ich entdecke, dass das Evangelium viel besser ist als gedacht und dass auch Gott noch viel besser ist als gedacht. Und vielleicht noch pointierter: Dass er sogar viel besser drauf ist als gedacht.
Und so ein klitzekleines bisschen befürchte ich hier und da ein wenig, dass das zu gut ist, um wahr zu sein. Und dann denke ich: Sollte ich träumen, dann lasst mich weiter träumen! Es ist gerade so schön.

Keine Sorge, ich reflektiere das ganze Thema intensiv und bin kein Träumer, aber natürlich frage ich mich: Wieso hat das eigentlich 25 Jahre meines Christenlebens gebraucht (von denen ich sechs Jahre Theologie studiert habe) bis ich das geblickt habe?

Martin Luther hat sich ja schon die Frage gestellt, wie er einen gnädigen Gott bekommt. Und wer in evangelikalen Kreisen aufgewachsen ist (wie ich), hat das auch irgendwann mitbekommen: Gott ist gnädig. Wir sind aus Gnade gerettet, verdient haben wir uns gar nichts. Christus ist für unsere Schuld am Kreuz gestorben. Gott ist treu und gerecht und vergibt uns die Sünden…

ABER: Während alle obigen Aussagen richtig sind. sind es die “Unds” und die “Aber”, die mir Ganze versaut haben:

  • Gott ist gnädig und gerecht und hasst daher die Sünde (auch die, die ich noch tue).
  • Wir haben nichts verdient, aber Gott erwartet nun, dass wir XY tun.
  • Christus ist für unsere Schuld gestorben, aber jetzt liegt es an uns (natürlich mit der Kraft des Heiligen Geistes), das Ganze auch umzusetzen.
  • Gott ist treu und gerecht und vergibt uns die Sünden, aber wir müssen sie jetzt auch bekennen.

Mein Bild von Gott war gespalten: Auf der einen Seite sah ich Gott als den liebenden Vater, auf der anderen Seite sah ich ihn, wie er mit verschränkten Armen, die Augenbrauen gekrümmt, den Kopf schüttelt, über das, was die Welt, was wir, was ich da gerade wieder angestellt habe. Ein liebender und zorniger oder zumindest frustrierter Gott zugleich.

Und vielleicht will hier jemand direkt einwerfen: Aber genau so ist es doch, David: “Gott liebt die Sünder, aber hasst die Sünde und er ist und bleibt ein heiliger Gott, der Sünde nicht tolerieren kann.”

Und da antworte ich mittlerweile: Genau das hat er getan, er hat das Sündenproblem aus der Welt geschaffen. Ein für alle Mal, für alle Menschen! Gott hat keine schlechte Laune mehr, Gott geht nicht mehr mürrisch im Himmel auf und ab und fragt sich, wie er die Menschen denn nun korrigieren und ihnen mal zeigen kann, wo der Hammer hängt.

Wieso ich das glaube? Ich will heute einen Anfang machen, das zu erklären. Und ich weiß schon jetzt, dass das mehrere Posts brauchen wird, aber das Jahr 2013 ist ja auch noch lang. 🙂

Es geht letztlich um einen Alten Bund und einen Neuen Bund, aber der Reihe nach:

Im alten Bund wurde jede einzelne Sünde (auch jede aus Versehen begangene Sünde) vermerkt und erinnert und musste gesühnt werden (siehe z.B. die Opferanweisungen in 3.Mo 4-6)

In Jesaja 42-45 kündigt Jesaja prophetisch Jesus an.
In Jesaja 43,19 kündigt Gott etwas Neues an!
Was ist das Neue? Es muss ja anders sein im Vergleich zum alten Bund.
Im neuen Bund werden die Sünden nicht mehr erinnert!

Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht. Jesaja 43,25 (Luther 1984)

Dann lesen wir im Propheten Jeremia:

Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde: […] Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben. […] ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken. Jeremia 31,33-34 (ELB)

Ja, hier steht Israel, aber es gab im Alten Testament nach dem Bund mit Abraham und dem Bund mit Mose keinen weiteren Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat.
Den nächsten Bund hat Jesus durch sein Blut am Kreuz geschlossen:

Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Matthäus 26,28

Dieser [Jesus] aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; Heb 10,12

Jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben. Heb 9,26

“Dies ist der Bund, den ich für sie errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr, ich werde meine Gesetze in  ihre Herzen geben und sie auch in ihren Sinn schreiben” und: “Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken.” Heb 10,16-17

Yep, hier wird der erwähnte Vers aus Jeremia zitiert.

Was sagt Johannes der Täufer als er Jesus kommen sieht?

Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt! Joh 1,29

Nicht nur potentiell im Sinne von: “das Lamm Gottes, das ermöglicht, dass die Sünden weggenommen werden können”, sondern wirklich wegnehmen.

Wessen Sünden? Die der Welt! Beinhaltet dies auch die Sünden der Sünder? Nach meiner letzten Berechnung: Alle meint alle. Aber ruhig noch ein paar weitere Stellen:

Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.” 2.Kor 5,18-19

Gott versöhnte die Welt! Die Welt, alle! Er hat ihnen ihre Schuld vergeben! In der nächsten Stelle wird es noch deutlicher:

Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt. 1.Joh 2,2

Dem Vers ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen: Jesus ist nicht nur potentiell für die Sünden der Welt gestorben. Er ist für die Sünden der Welt gestorben. Gott hat das Sündenproblem der ganzen Welt beseitigt. Uns Menschen ist vergeben!

Deswegen sage ich auch, dass Gott nicht mehr zornig ist. Er war es (Alter Bund), mit dem Neuen Bund durch das vergossene Blut am Kreuz gilt das jetzt nicht mehr. Der Welt, also allen Menschen sind die Sünden vergeben.

Achtung, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich sage hier nicht, dass alle Menschen dadurch auch gerettet sind, denn das gilt nur für die, die glauben:

Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Eph 2,8-9

Ich bin also kein Allversöhner, wenn ich sage, dass Gott schon allen Menschen vergeben hat. Wir müssen dieses Geschenk der Gnade annehmen, um gerettet zu werden.
Vergeben heißt nicht gerechtfertigt, das werden wir aus Glauben (Röm 5,1). Darauf werde ich sicher noch einmal ausführlicher eingehen, für jetzt will ich betonen:

Gott braucht(e) keine Erlaubnis von uns, um uns zu vergeben. Gott brauchte auch gar keine Leistung von uns. Gott schloss einen neuen Bund mit uns, der weitaus besser ist als der alte Bund.

Deswegen sage ich: Gott liebt uns! Gott liebt die Sünder! Er hasst sie nicht, wie ich schon im letzten Post gesagt habe. Das Sündenproblem hat Gott am Kreuz beseitigt. Gott ist also weder böse, wenn Sünder sündigen (weil Jesus für die Sünden der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gestorben ist), noch sind wir unter Gottes Zorn. Wir waren es (alter Bund), sind es aber nicht mehr (neuer Bund).

Vielleicht einen Gedanken noch, um zu verdeutlichen, was ich NICHT sage: Heißt das, dass Gott es egal ist, wenn wir sündigen? Natürlich nicht. Das wäre ja genauso, wie wenn einem Vater es egal wäre, wenn sein Sohn oder seine Tochter geradewegs in einen Haufen Glasscherben läuft. Natürlich ist Gott traurig, weil er sieht, dass wir nicht in Freiheit leben, dass wir nicht so leben, wie es uns gut tut, denn Sünde schadet uns. Aber die Sünde selbst, die wir tun, trennt uns nicht mehr von Gott, Gott hat uns in Christus vergeben: Die Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Die Eigenschaft, die Gottes Beziehung zu den Menschen beschreibt, ist LIEBE!

Und ja, ich weiß, das hat fundamentale Konsequenzen und wirft viele Fragen auf. Z.B.: Müssen wir dann unsere Sünden überhaupt noch bekennen (vgl. 1Joh 1,9)? Aber bevor ich hier ein weiteres Fass aufmache, denn die Antwort könnt ihr euch vielleicht schon denken, werde ich das lieber mal in einem separaten Post machen, dieser Post hier bietet sicher schon genügend Gesprächsstoff. 🙂

Zum Schluss möchte ich das  Bild vom Anfang wieder aufnehmen:

Ja, das Ganze fühlt sich manchmal fast zu gut an, um wahr zu sein. Und dann befürchte ich, dass ich aus diesem Traum wieder aufwachen muss.
Aber andersherum ist es genauso: Ich bin froh, nach 25 Jahren aus einem Traum aufzuwachen, der mir nicht wirklich gefallen hat, und bin begeistert in die Realität einzutreten.

Bei alledem, bedenkt bitte, was ich in meinem ersten Post des Jahres geschrieben habe. Ich bin bei diesem Thema noch ein purer Anfänger. Es begegnen mir fast täglich Bibelstellen, bei denen ich mich frage, wie ich die jetzt zu verstehen habe. Davon habe ich inzwischen schon eine ganze Reihe bearbeitet und sehe sie inzwischen komplett anders als vorher (die erwähnte 1Joh 1,9-Stelle ist nur eine davon). Ich bin auf dem Weg, aber ich bin ein Newbie, ein Erstsemestler in Sachen Gnade.

 

Manch einer hält mich sicher auch für verrückt, solche Thesen so öffentlich zu formulieren, wenn man in dem Denkprozess noch mitten drin steckt, ich mache mich ja auch angreifbar und verletzbar. Aber das ist das Wagnis, das ich in diesem Jahr eingehen will: Meine geistliche Reise mit euch zu teilen. Auf dieser Reise lerne ich viel und fühle mich auch hier und da unsicher. Und wenn es in diesem Post vielleicht anders klingt, dann liegt das nur daran, dass ich mal meinen Standpunkt beziehe, ohne dauernd irgendwelchen “es kann sein, vielleicht oder möglicherweise” einzufügen.
Bin ich 100% sicher, dass das, was ich hier schreibe, auch wirklich so ist? Natürlich nicht, aber 25 Jahre von bestenfalls mit Gesetz verseuchter Gnade lassen sich einfach nicht in 10 Minuten verhackstücken.

Von daher: Falls ihr versuchen wollt, mich aus meinem Traum zu wecken, tut es nett (und beschränkt euch auf ca. 250 Worte). Und wenn euch dieser Post hilft oder bestätigt, aus eurem schlechtem Traum aufzuwachen, dann dürft ihr das ebenfalls gern sagen.
Ich werde mein Bestes tun, hier und da auf Kommentare zu antworten, aber meine Zeiten mit Menschen, die unseren genialen Gott noch nicht kennen, gehen immer vor, dafür ist die gute Nachricht zu gut. 🙂

In diesem Sinne: Viel Gnade euch in dieser Woche!

Kommentare
  1. Posted by Regine
  2. Posted by Regine
    • Posted by David
  3. Posted by Jan
  4. Posted by Erik
  5. Posted by Christian
    • Posted by David
  6. Posted by Christian
  7. Posted by jeanett

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