Unser Gottesbild: Wenn das mit dem Verbinden der Punkte nicht so einfach ist

Autor: | Gepostet in Evangelium 1 Kommentar

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Ihr kennt sicher diese Bilder, bei denen man Punkte von 1 bis z.B. 50 verbinden muss und am Ende entsteht daraus ein Bild. Meine Jungs mögen die sehr. Was aber, wenn man ein bestimmtes Bild malen will, aber es nicht den einen klaren Weg von 1 bis 50 gibt? So ging es mir: Das Gesamtbild, das ich zeichnen möchte, ist relativ klar, aber ich sehe nicht so klar, wo die beste 1 und die beste 50 ist.
Alle einzelnen Punkte gehören zum Gesamtbild und hängen auch irgendwie zusammen, aber da es scheinbar nicht den einen Weg gibt, dieses Bild zu zeichnen, habe ich mich länger gefragt, wo ich jetzt weiter mache. Denn auch wenn ich irgendwo anfange, gibt es an bestimmten Stellen immer wieder Weggabelungen, an denen ich entweder in die eine oder die andere Richtung gehen kann.
Mit dieser Einleitung und nach einigen Wochen, in denen viel bei mir los war (und sehr viel Gutes passiert ist) will ich jetzt mal bei einem Punkt anfangen. Bleiben wir bei dem Bild mit den Punkten:

Wir alle haben irgendwie ein Bild von Gott. Ich meine nicht, wie er auf einem Foto aussehen würde, sondern wie er ist: Was für einen Charakter hat Gott? Wie geht er mit bestimmten Dingen um? Was mag er? Was macht er mit Dingen, die er nicht mag? Ist er lieb? Kann man sich auf ihn verlassen? Oder ist er manchmal auch unberechenbar? Kann man ihm vertrauen?

Dieses Gesamtbild setzt sich aus unterschiedlichen Punkten zusammen:
Ein großer Teil der Punkte stammt aus der Bibel: Wir haben Geschichten sowohl aus dem Alten als auch aus dem Neuen Testament gelesen. Oft entstehen bei uns schon allein daraus widersprüchliche Bilder von Gott, die wir dann irgendwie versuchen, unter einen Hut zu bekommen. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, gelingt uns das meist nicht wirklich zufriedenstellend. Gott bleibt für uns manchmal rätselhaft anders, oft auch ein bisschen unberechenbar. Auf der einen Seite haben wir Jesus, der die Ehebrecherin nicht verurteilt und auf der anderen Seite werden ganze Völker getötet oder vertrieben, nur weil sie im Weg waren.
Wenn ihr so seid wie ich, dann habt ihr euch in der Vergangenheit auch eine „Mag ich nicht, das muss mir Gott im Himmel erklären“-Box angelegt, in der ihr all die Geschichten reinpackt, die ein Bild von Gott zeichnen, mit dem ihr Mühen habt.
Ich mag zum Beispiel die Geschichte von Elias Showdown mit den Baals-Propheten sehr (1.König 18:20ff): Es soll sich zeigen, wer der wahre Gott ist:

Wenn der HERR der wahre Gott ist, dann folgt ihm nach; wenn aber der Baal, dann folgt ihm nach! 1.Könige 18,21

Es folgt ein Showdown, in denen die Propheten Baals noch so laut schreien können, ihr Stier bleibt unberührt auf dem Altar liegen. Dann kommt Elia an die Reihe, kippt noch ein paar Eimer Wasser auf alles, betet zu Gott und auf einmal fällt Feuer vom Himmel, das alles verzehrt: Holz, Wasser, Stier und sogar die Steine.

Als das ganze Volk das sah, da fielen sie auf ihr Angesicht und sagten: Der HERR, er ist Gott! Der HERR, er ist Gott! 1.Könige 18,39

Großartige Geschichte. Mag ich sehr. Bis zu diesem Vers. Beim nächsten Vers dreht sich bei mir der Magen um:

Und Elia sagte zu ihnen: Packt die Propheten des Baal, keiner von ihnen soll entkommen! Und sie packten sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kischon und schlachtete sie dort.
1.Könige 18,40

Hmm, soviel zum Thema Toleranz gegenüber Menschen, die den wahren Gott einfach noch nicht erkannt haben.

In der Vergangenheit konnte ich den Vers wenden wie ich will: Am Ende landete er in meiner „Kiste“, in der auch schon andere unbequeme Bibelstellen vorher gelandet waren.

Oder um wieder das Bild den Punkten zu bemühen: Solche Verse sind für mich wie Punkte aus einem anderen Bild, sie passen irgendwie nicht  zu dem Bild, das mir Jesus zeigt. Als ob diese Punkte zu einem anderen “Verbinde-die-Punkte-Bild” gehören würden.

Aber so oder so: Richtig befriedigend ist das nicht, denn auch wenn man irgendwie diese Bilder von Gott ausblendet (oder es versucht), lauert die Frage irgendwo hinter einer Ecke in unserem Hirn oder Herzen: „Was aber, wenn Gott immer noch so ist? So unberechenbar, so ungewöhnlich hart und strafend?“

Die anderen Punkte: Unsere Erfahrungen mit Gott

Die Bibel ist aber nur eine der beiden großen Quellen, aus denen sich unser Bild von Gott zusammensetzt:
Die anderen Punkten entstehen – bewusst oder unbewusst – aus unseren Erfahrungen mit Gott. Was meine ich damit?
Ein konkretes Beispiel, auf das ich später noch näher eingehen werde, ist das Gebet um Heilung. Wir haben z.B. einen Bruder, eine Schwester, eine Mutter, einen Vater, einen Freund, einen Verwandten oder haben einen guten Freund, der jemanden hat, der schwer krank ist. Wir beten dafür, aber die Person wird nicht gesund und stirbt wenig später an der Krankheit. Auch diese Erfahrung prägt im Normalfall unser Gottesbild. Klassisch denken wir dann so: „Gebet haben wir ja. Gott hat das Gebet nicht erhört, also wollte er XY scheinbar nicht heilen. Gottes Wille sah anders aus. Ich verstehe zwar nicht, warum Gott manchmal heilt und warum manchmal nicht, aber was kann ich machen? Am Ende sitzt Gott am längeren Hebel. Ich muss mich damit abfinden und irgendwie einen Weg finden, damit umzugehen, ohne daran zu zerbrechen.“
Dass mich hier niemand falsch versteht: Ich nehme das hier Null auf die leichte Schulter, ich habe schon eine Reihe solcher Situationen erlebt, entweder selbst oder aber zusammen mit Freunden, die mir sehr nahe stehen. Viele Tränen sind bei diesem Thema schon geflossen, bei mir, bei Freunden und sicher auch bei euch.
Ich habe dieses Beispiel für’s Erste nur angeführt, um zu zeigen, dass sowohl Geschichten aus der Bibel als auch Geschichten oder Erfahrungen aus unserem eigenen Leben unser Bild von Gott prägen.

Die Frage, die ich hier stellen möchte und die uns zum nächsten Post führt, ist: Führt uns diese Art und Weise über Gott zu denken bzw. unser Bild von Gott prägen zu lassen, wirklich zu einer Gottesbeziehung, in der wir Gott von ganzem Herzen und ohne Rückhalt oder Sicherheitsabstand vertrauen können?

Ihr merkt schon: Meine Antwort ist Nein.
Im nächsten Post will ich daher erklären, welchen anderen Weg uns das Neue Testament nach meiner Sicht aufzeigt.

Kommentare
  1. Posted by Doro

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