Ohne Wunder – keine Movements – letzter Teil: Barrieren und Schlussfolgerungen

Autor: | Gepostet in Heilung, Movements 2 Kommentare

jesuszeichenfolgen

Nach den letzten beiden Posts mit der Einführung und den beispielhaften Wundern will ich heute die Minireihe zum Thema “Ohne Wunder – keine Movements” abschließen.

Ich nehme euch einfach mit in meine Entdeckungsreise bzw. Recherche zu dem Thema, denn das hilft vielleicht denjenigen am meisten, die mit Wundern (meist aufgrund ihrer theologischen Prägung) bisher nicht so viel tun hatten, hatte ich zu Beginn meiner Reise ja auch nicht.

Je mehr ich also von solchen Berichten aus Movements hörte, desto mehr wuchs in mir die Vermutung, dass Wunder eine entscheidende Rolle in Gemeindegründungsbewegungen spielen.

Diese Vermutung wurde bestätigt, nachdem ich mit einem befreundeten amerikanischen Gemeindegründer sprach. Dieser wird von Bodo Schmidt (Pseudonym) gecoacht. “Bodo” möchte vermeiden, dass sein echter Name im Internet mit CPMs in Verbindung gebracht wird, da er immer wieder in Ländern „undercover“ unterwegs ist, die für das Evangelium verschlossenen sind.
Bodo ist sicher einer von den Menschen, die sich international mit Movements am Besten auskennen. Bodo kennt und hat viele Schlüsselpersonen persönlich gecoacht. Wenn einer sich bei dem Thema auskennt, dann sicher er.
Im Gespräch mit meinem Freund über meine These/Vermutung, dass Wunder und CPMs stark zusammenhängen, sagte er zu mir: “Bodo hat mir mal gesagt: ‘Ohne Wunder gäbe es keine CPMs’“
Wow! Dieser Spur musste ich nachgehen und fragte Bodo selbst danach.

Bodo bejahte meine These und schrieb mir:
„In jedem Movement, das ich beobachtet habe, habe ich folgendes vorgefunden:

1. Gewöhnliche Gläubige, oft neue Gläubige, haben außerordentlichen Glauben (Glauben, der dem ähnlich ist, den wir im Neuen Testament sehen).
2. Gott beantwortet die Gebete von gewöhnlichen Gläubigen, so dass dämonische Befreiung, physische oder andere Heilungen, dramatische Veränderung in Lebensumständen regelmäßig stattfinden.
3. Diese Demonstrationen von Gottes Liebe, Sorgen und Kraft spielen eine bedeutende Rolle darin, dass
– Interesse von Nichtgläubigen geweckt wird,
– den Worten der Gläubigen Authentizität verliehen wird
– der (Frei-)Mut der Gläubigen bestärkt wird.”

Eine weitere Beobachtung Bodos ist in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig und hilfreich:
Bodo war in einem Trainings- und Coachingprozess des Assemblies of God-Bundes in Uganda beteiligt, der daraufhin von ca 400 Gemeinden auf 4000 Gemeinden anwuchs. „Sie sahen regelmäßig Befreiungen von Dämonen, körperliche Heilungen, veränderte Lebensumstände und hatten einige verifizierte Totenauferweckungen. Aber ein kritischer Punkt ist: In Uganda hatten sie schon viele Wunder gesehen, lange bevor sie anfingen, Gemeinden und Jünger zu multiplizieren. Jahrzehnte haben Fremde oder Einheimische Großveranstaltungen abgehalten und öffentlichkeitswirksame Wunder auf der Bühne erlebt (einige davon mögen authentisch sein), aber Wunder an sich garantieren noch keine Bewegung. Während Wunder also normal in CPMs sind, sind sie auch in vielen Situationen normal, in denen kein CPM entsteht.”

Dies bestätigte ebenfalls meine Gedanken. Das Thema Heilung ist in den letzten Jahren auch in klassischen Gemeinden stärker bewegt worden, viel von dem, was ich bei dem Thema Heilung gelernt habe, habe ich von Leuten gelernt, die gemeindlich recht „klassisch“ unterwegs sind. Oft dachte ich dann:
“Wenn ihr jetzt dieses ganzheitliche Verständnis des Evangeliums und eure daraufhin andere Herangehensweise an das Thema Heilung mit dem Fokus auf Jüngermultiplikation kombinieren würdet – dann könnte echt die Post abgehen.“
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich bin meinen Geschwistern, die mir bei dem Thema Meilen voraus sind, jedenfalls sehr dankbar für das, was ich von ihnen lernen konnte.

Aber ich möchte es noch einmal betonen: Wunder führen nicht automatisch zu Movements. An vielen Orten geschehen Wunder – auch hier in Deutschland. Wer viele coole davon lesen will, dem empfehle ich das sehr ermutigende neue Buch Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist (später zwischendurch mal eine ausführlichere Rezension dazu, aber ich kann es wärmstens empfehlen).
Durch diese Wunder erleben die Empfangenden viel Segen und die Liebe Gottes hautnah und manche kommen daraufhin auch zum Glauben an Jesus, aber Movements entstehen dadurch nicht “automatisch”.
Anders herum bin ich aber genauso der Überzeugung, dass wir in Deutschland (oder sonst wo) keine Movments ohne Wunder sehen werden.

Nach meinem Austausch mit Bodo Schmidt fragte ich David Watson, der vielen hier sicher auch ein Begriff ist, was er zu der These seines früheren Kollegen sagen würde, dass es ohne Wunder keine CPMs geben würde.

David Watsons Antwort (hier im Original zu lesen):
“Schwierige Frage! Wir sehen Wunder in allen unseren Movements (aktuell 64). Ich bin mir nicht sicher, ob sie ursächlich oder Resultate sind, aber eine große Mehrheit (72%) von neuen Arbeiten folgten auf Wunder. Daher mag die These vielleicht etwas übertrieben sein, aber wenn, nicht sehr.“
Warum aber, hatte ich davon in der Literatur über Movements so wenig bis gar nichts gelesen?
Irgendwann dämmerte es mir, woran das liegen könnte:

Die Missionsgesellschaft, die dieses Phänomen zuerst beschrieb und die solchen Movements in den klassischen Missionsländern nachjagte, war wie schon beschrieben das International Mission Board (kurz IMB), die Missionsgesellschaft der Südlichen Baptisten aus den USA.
Nun hatte ich durch mein Theologiestudium in Kalifornien engeren Kontakt zu dieser Denomination und bin mit einigen IMB-Missionaren befreundet und wusste daher eins: Die südlichen Baptisten sind eine theologisch sehr konservative Denomination und in Folge dessen eher „anticharismatisch“ eingestellt.

Mir wurde daher allmählich klar, dass das, was durch südliche Baptisten in den offiziellen Verlautbarungen zu lesen war, nicht exakt das beschrieb, was auf dem Missionsfeld wirklich passierte. Am Ende sagten die Berichte und Schlussfolgerungen mehr über das theologische Verständnis des Autors als über das, was in den Ländern, in denen echte Movements geschehen, geglaubt und erlebt wird.

Dieses theologische Filtern aber, sei es aus eigenen theologischen Überzeugungen oder aus kirchenpolitischen Gründen, um bei der Basis keine Unruhe zu erzeugen, halte ich nicht nur für unredlich, sondern auch im höchsten Maße schädlich.

Denn was passiert im Westen – meist völlig unbewusst?
Wir lesen oder hören von dem, was in Bewegungen passiert, wie viele Menschen zum Glauben an Jesus kommen, wie sich die gute Nachricht ausbreitet und sind begeistert über das, was da passiert.
Aber da wir lediglich eine durch theologische Meinungen gefärbte Zusammenfassung haben, erhalten wir kein komplettes Bild von dem, was dort passiert und “denken” uns den Rest. Und diesen Rest denken wir uns gemäß unserer eigenen theologischen Prägung.

Wenn wir beispielsweise das wenige lesen, was David Garrison zu Gebet im CPM Büchlein schreibt, dann gehen wir oft unbewusst davon aus, dass die Christen dort mehr oder minder genauso beten wie wir, dass sie ähnlich an Gebet herangehen wie wir, dass sie dasselbe glauben wie wir, nur dass sie andere Dinge damit erleben und wir eben nicht.

Vielleicht hören wir sogar manchmal davon, dass in Afrika, Indien, China oder Mittel- oder Südamerika abgefahrene Wunder geschehen, aber von unserem bisherigen theologischen Standpunkt sagen wir schnell:
Mag schon sein, dass dort Lahme gehen, Blinde sehen und sogar Tote auferweckt werden, aber das ist dann der souveräne Wille Gottes. Wenn er das in diesen Ländern tun will, freue ich mich mit, aber wenn er das hier im Westen nicht tut, dann müssen wir damit eben auch leben lernen.
Und wir nehmen dabei an, dass die Menschen in diesen fernen Ländern genauso glauben wie wir, dass sie genauso beten wie wir, nur mit dem Unterschied, dass Gott dort ihre Gebete erhören möchte und unsere nicht.

Und das lässt uns mehr oder minder da stehen, wo wir vorher auch waren, nur mit einer Sehnsucht im Herzen, dass Gott sich doch hoffentlich noch einmal unserem Land erbarmt und wir das erleben dürfen, was die Menschen in fernen Ländern mit ihm erleben, wir aber letztlich leider völlig davon abhängig sind, dass Gott will. Wenn er eben nicht will, dann können wir auch nichts daran ändern.

Aber was wäre, wenn Gott hier und jetzt auch dasselbe für Deutschland will? Dass von seiner Seite die Ampel schon lange auf Grün steht, wir nur einfach nicht losfahren, weil wir denken: Gott sitzt am Steuer, er muss schon losfahren.

Ich bin im Zuge meiner Recherchen zu der festen Überzeugung gekommen, dass wir ohne Wunder keine Movements sehen werden.
Und dass im Großen und Ganzen wir selbst uns und Gott im Wege stehen, weil unser rationalistisches, von der Aufklärung geprägtes (theologisches) Denken uns etwas glauben lässt, was wir so gar nicht bei Jesus sehen.

In Kurzform meine Überzeugung:
Ohne Wunder werden wir keine Movements erleben.
Unsere klassische Theologie führt aber dazu, dass wir keine Wunder erwarten (und folglich auch erleben).

Ich habe anders herum von einem Missionar gelesen, der auf Grund der Dinge, die er auf dem Missionsfeld erlebte, seine Theologie ändern musste. Seine Theologie passte nicht zu dem, was um ihn herum passierte.

Daher:

Wenn uns Movements am Herzen liegen, sollten wir unsere Meinung zu Heilung & Wundern überdenken. Diese Serie soll dabei helfen.

Ab dem nächsten Post wird es darum wieder weiter mit den nächsten Themen in unserer Heilungsserie gehen.

Kommentare
  1. Posted by Corinne
    • Posted by David

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