Dinge, die ich falsch gemacht habe: 5. Gebet unterschätzt Teil 1

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Ich muss gestehen, dass Gebet zum Teil für mich immer noch ein Rätsel bleibt. Ich habe viele Bücher zum Thema gelesen und jedes hat mich irgendwie immer neu zum Gebet motiviert, aber verstanden, geblickt oder durchdrungen habe ich das Gebet immer noch nicht.
Gerade die Fragen rund um anhaltendes Gebet oder die Frage, was es für einen Unterschied macht, ob eine Person, zwei oder 100 Leute für etwas beten, blieben mir lange Zeit ein Rätsel.
Denn: Wenn es etwas gibt, was Gott gern geben möchte und es ein Gebet ist, das Gott gern beantworten möchte, warum muss ich dafür anhaltend beten oder warum sollen dafür mehrere Leute beten? Was macht es für einen Unterschied, wie viele Leute dafür beten?
Wie gesagt: Ich habe schon viele Bücher zum Thema Gebet gelesen (bestimmt über 20), keins hat mir geschadet, die meisten haben mir gut getan, alle haben mich auf irgendeine Weise ermutigt, mehr zu beten, einige haben versucht, Antworten auf die Fragen zu geben, aber wirklich befriedigt haben mich die Antwortversuche meist nicht wirklich.

In der Folge habe ich Gebet als wichtig angesehen, wir hatten auch von Beginn an unserer organischen Gemeindearbeit in Essen einen wöchentlichen Gebetsabend, aber dennoch blieb das Gefühl: Wir machen hier etwas, das irgendwie wichtig ist und deshalb sollten wir es auch tun, aber so richtig zufrieden war ich damit nicht. Keine Ahnung, ob ihr irgendwie nachvollziehen könnt, was ich meine.

Zwei Dinge haben meine Einstellung zum Gebet aber nachhaltig verändert. Punkt Nr. 1 gibt es in diesem Post, Nr.2 im nächsten.

1. Ein anderer Blickwinkel auf das Gebet der Vielen
Ich sollte vorausschicken, dass das Folgende vollständig auf Erfahrung beruht. Ich finde keinen wirklich biblischen Beleg für so etwas, aber es hat für mich irgendwie Sinn gemacht. Von daher: Nehmt es in aller Vorsicht, mir hat es jedenfalls geholfen, einen anderen Blickwinkel zum Thema zu gewinnen. Ich anonymisiere die Geschichte zum Schutz der Personen.

Ich sprach mit dem Sohn eines Missionars über dieses Thema. Gott hat seinen Vater in der Vergangenheit weltweit stark benutzt und tat es auch immer noch. Sein Vater wurde schwer krebskrank und die Prognose der Ärzte war, dass sein Vater wohl nicht mehr lange zu leben hatte. Der Sohn erzählte mir, dass es wohl nur drei Gelegenheiten in seinem Leben gab, in denen er absolut unmissverständlich und ohne irgendeine Frage Gottes Stimme in seinem Leben vernommen hatte. (Gott redet heute immer noch, ich erlebe es regelmäßig, aber wer sich auf diesen hörenden Weg begeben hat, kann sicher nachvollziehen, dass ein gewisser Unsicherheitsfaktor fast immer dabei ist. Es gibt aber auch Situationen, in denen es überhaupt keine Frage ist, dass Gott geredet hat). Zwei von diesen Situationen erlebte der Sohn in dieser Geschichte.
Er stand unter der Dusche und redete mit Gott, haderte mit der Situation und fragte Gott, ob er denn wirklich seinen Vater sterben lassen wollte. Plötzlich und unmissverständlich fragte ihn Gott, ob er ihn auch dann noch lieben würde, wenn er seinen Vater zu sich holen würde. Der Sohn brach in Tränen aus und bejahte letztlich die Frage. Später standen sie gemeinsam im Krankenhauszimmer am Bett des Vaters als nach einer entscheidenden Operation der operierende Arzt ins Zimmer kam. Er erzählte ihnen, dass Gott ein Wunder getan haben musste, da sie bei der Operation keinen Krebs mehr finden konnten. Gott hatte ein Wunder getan! In diesem Moment sprach Gott ein zweites Mal unmissverständlich zu ihm. Ich habe nicht mehr wörtlich das im Kopf, was mir der Sohn im Gespräch sagte, aber es ging in diese Richtung: “Glaube jetzt nicht, dass ich dieses Wunder deinetwegen oder wegen der Dinge, die dein Vater jetzt noch tun kann, getan habe, ich hab es wegen 500 afrikanischer Christen getan, die noch sehr jung im Glauben sind.”

Wie gesagt: Ich weiß, dass das alles nur subjektive Erfahrung ist. Und ich möchte auch betonen, dass ich auch nicht im Ansatz versuchen möchte, eine zusätzliche Offenbarung zu verankern oder so, aber der Gedanke machte für mich Sinn:

Gott erhört Gebete von Vielen, weil da der Glaube von Vielen dran hängt.

Und ja, auch wenn ich das nicht völlig verstehe, glaube ich, dass das Gebet und die immense Erwartungshaltung, dass Gott eingreift, Gottes Handeln beeinflusst.
Geholfen hat mir ein ein ungewöhnlicher Blickwinkel auf das erste Wunder im Johannes-Evangelium.
Bei der Hochzeit zu Kana fehlt Wein und Maria sagt zu Jesus: “Sie haben keinen Wein.” Jesus entgegnet ihr recht schroff, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist.
Wenn ich mal annehme, dass Jesus zum Zeitpunkt seiner Aussage sich nicht geirrt hat (und das glaube ich) und wenn ich gleichzeitig annehme, dass Jesus nur das tat, was er den Vater tun sah (Joh 5,19), dann bleibt eigentlich nur ein Schluss:
Die Aussage Marias zu den Diernen “Was er euch sagen mag, tut!” und ihre Erwartung, dass Jesus handeln würde, veränderte den Willen Gottes, denn plötzlich tat Jesus das Wunder, das Momente davor noch nicht dran war.

Vermutlich kommt mir da mein eingeschränktes Verständnis von Gottes Willen in die Quere, aber nichts anderes macht für mich in dieser Situation Sinn.

Ich bin noch fern davon, das Mysterium “Gebet” gelöst zu haben, dieser erste Punkt hat mich aber definitiv verändert. Gott will Dinge tun, aber er will gebeten werden. Und manche Dinge will Gott scheinbar erstmal nicht tun, aber dann doch, weil es Leute gibt, die sich voll Vertrauens an ihn wenden und ihn bitten, zu handeln.
Die Folge ist, dass ich heute Gebet einen deutlich höheren Stellenwert in meinem Dienst gebe als noch früher.

Der zweite Teil dieses Posts geht das Thema von einer etwas anderen Seite an, aber hat mich nicht minder motiviert, mehr Raum für Gebet in meinem Leben zu reservieren. Und mit Sicherheit wird auch der zweite Post nicht der letzte zu dem Thema sein.

Gedanken, Erfahrungen, Kommentare von euch – immer her damit.

PS: Nach meinem letzten emotionalen Post geht es jetzt wieder “normal” weiter. Es gibt aber auch einen kurzen Kommentar von mir dazu im eigentlichen Post.

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